Seehäfen & Seeschifffahrt

Bremische Häfen


Senator Günthner: Unser maritimer Standort hat die internationale Wachstumsschwäche 2016 gut verkraftet

Hafengesellschaft bremenports und TFG Transfracht begrüßen 150 Gäste beim Neujahrsempfang in Berlin

 

13. Januar 2017

 

"2016 war kein einfaches Jahr für die bremischen Häfen. Dennoch hat unser maritimer Logistikstandort die negativen Auswirkungen der internationalen Wachstumsschwäche gut verkraftet", sagte Bremens Wirtschafts- und Hafensenator Martin Günthner am Donnerstag (12. Januar 2017) bei einem Neujahrsempfang in Berlin. Etwa 150 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren der Einladung der Hafengesellschaft bremenports und ihres Partners TFG Transfracht gefolgt, um sich in der Bremer Landesvertretung in entspannter Atmosphäre auf das neue Jahr einzustimmen.

 

Als belastende Faktoren für die Entwicklung von Umschlag und Logistik nannte Günthner das verlangsamte Wirtschaftswachstum in China sowie die Einschränkungen im Handel mit Russland und die damit verbundene russische Rezession. Dennoch habe der Umschlag 2016 insgesamt leicht zugelegt – für Günthner der Beleg, "dass die Häfen in Bremen und Bremerhaven sich auf hohem Niveau behaupten und weiterhin eine gute Rolle im hartumkämpften Markt spielen". Das Gesamtergebnis lag an der Weser im vergangenen Jahr bei 73,8 Millionen Tonnen Seegütern (plus 0,5 Prozent), der Containerumschlag erreichte 5,5 Millionen TEU (plus 0,9 Prozent).

 

2016 habe es massive strukturelle Veränderungen in der Containerschifffahrt gegeben, sagte der Senator. "Die Insolvenz der Reederei Hanjin und der Verkauf von Hamburg Süd an den Weltmarktführer Maersk sind Belege für einen tiefgreifenden Umbruch. Gleichzeitig verstärken die wachsenden Containerschiffsgrößen den Druck auf die Häfen, ihre nautische Erreichbarkeit zu optimieren." Die Vertiefung der Außenweser-Fahrrinne habe deshalb große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung Bremerhavens als viertgrößter europäischer Containerhafen.

 

Günthner erinnerte gleichzeitig an die umfangreichen Investitionen, mit denen Bremen seine maritime Infrastruktur modernisiert: "Aktuell wird der Hafenbahnhof Imsumer Deich in Bremerhaven von acht auf 16 Gleise erweitert und elektrifiziert. Direkt neben dem Container-Terminal setzen wir damit ein Ausbau- und Modernisierungsprogramm fort, das für die Hafeneisenbahn im Überseehafen Bremerhaven in diesem Jahrzehnt Investitionen von etwa 40 Millionen Euro umfasst. Schon heute wird bei uns jeder zweite Hinterland-Container auf der Schiene transportiert. Bremerhaven ist d e r Eisenbahnhafen, und diese Rolle wird mit unseren Investitionen weiter gestärkt."

 

Robert Howe, Geschäftsführer der Hafengesellschaft bremenports, machte anschließend deutlich, dass sich niemand von der jüngsten Flut schlechter Nachrichten verunsichern lassen sollte: "Ob Krieg oder Terror, ob Brexit oder Rechtspopulismus – Angst und Verunsicherung sind schlechte Ratgeber." Deutschland erweise sich als Fels in der Brandung: "Der starke Dollar beflügelt die Exporte, und der Wirtschaft – vor allem der Industrie – geht es so gut wie seit langem nicht."

 

Mittelfristig geht Howe von einem weiter wachsenden Seegüterumschlag im Land Bremen aus. Die Zwillingshäfen an der Weser seien darauf mit ihrer modernen Infrastruktur gut vorbereitet. Mit aktuellen Investitionen in den Ausbau des Standorts Bremerhaven – Erweiterung der Hafeneisenbahn und Bau einer neuen Westkaje am Kaiserhafen III – verbessere Bremen die Rahmenbedingungen für die maritime Wirtschaft weiter.

 

Auf bremenports komme 2017 erneut viel Arbeit zu, sagte Howe. Dies gelte zum Beispiel für die aufwendige Unterhaltung der öffentlichen Hafenanlagen und den maritimen Umweltschutz. Die Modernisierung der Schiffsflotte werde fortgesetzt und an ökologischen Erfordernissen ausgerichtet. Als großen Ansporn für die weitere Arbeit nannte Howe den ESPO Award 2016. Im Dezember wurde die Hafengesellschaft von der europäischen Hafenorganisation ESPO für die ökologische Aufwertung der Luneplate ausgezeichnet. Südlich von Bremerhaven hatten die Umwelt- und Landschaftsplaner die zentrale Ausgleichsfläche für Bremerhavener Hafenbauprojekte geschaffen – heute ist sie das größte Naturschutzgebiet des Landes Bremen.

 

Berit Börke, Geschäftsführerin der TFG Transfracht GmbH, berichtete beim Neujahrsempfang über die aktuelle Entwicklung des Unternehmens: "Wir freuen uns, dass wir im vergangenen Jahr etwa 910.000 TEU in unserem AlbatrosExpress-System bewegen konnten. Übersetzt sind das rund 11.000 Züge im Jahr oder 45 Containerzüge täglich. Das entspricht einem Wachstum von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Plus von 3,3 Prozent konnten wir über Bremerhaven realisieren."

 

Die im vergangenen Jahr gestartete AlbatrosExpress-Relation Erfurt habe sich sehr positiv entwickelt. Über die Terminals Erfurt, Riesa, Großbeeren und Leipzig habe TFG Transfracht 2016 etwa 125.000 TEU transportiert. Diese Terminals seien fünfmal die Woche an die großen deutschen Nordseehäfen angebunden, sagte die Geschäftsführerin. Um die Hinterlandlogistik ihrer Kunden optimal zu unterstützen, setze TFG Transfracht verstärkt auf Kooperationen. Ein Beispiel dafür sei der Standort Großbeeren, wo die AlbatrosExpress-Verkehre seit Dezember 2016 mit dem Einzelwagennetz der DB Cargo verknüpft werden.

 

Hinterlandlogistik erschöpfe sich nicht in "fahren, heben und senken", sagte Berit Börke. Man brauche dafür die passende Infrastruktur. Derzeit wird das Depot von DB IS in Großbeeren ausgebaut. Damit soll die Abstellkapazität dort von 2000 auf 2700 TEU erhöht werden.

 

In einem weiteren Vortrag stiegen Dr. Oliver Errichiello und Dr. Arnd Zschiesche anschließend tief ins Thema "Marke ohne Mythos" ein. Die beiden Experten vom Büro für Markenentwicklung (Hamburg) machten deutlich, warum die professionelle Markenbildung und -pflege für die Wirtschaft existenziell wichtig ist.

 

"Unser Alltag wird von Marken dominiert", sagte Zschiesche. "Die Marke ist der Motor, der alle Volkswirtschaften antreibt. Jede Marke lebt allein von ihrem Leistungsversprechen. Ohne eine solche Markenleistung hätten wir es mit völlig ungeordneten Märkten zu tun." Im Grunde genommen, so Zschiesche, stelle die Marke ein positives Vorurteil (des Kunden) dar. "Sie lebt davon, dass wir Gewohnheitsmenschen sind." Im Supermarkt zum Beispiel sei ein Einkauf ohne Markenkenntnis nicht möglich.

 

"Eine Marke bedeutet: Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen", formulierte Zschiesche. Wer die Marke stärken wolle, müsse mit seinen Werbemaßnahmen zunächst und vor allem auf die eigene Kundschaft zielen – das sei entscheidend für einen dauerhaften Erfolg.

Hrsg.: DER SENATOR FÜR WIRTSCHAFT, ARBEIT UND HÄFEN


Günthner: Umschlag in den bremischen Häfen stabil

Gesamtumschlag und Containerzahlen legen zu – Rückgang bei Fahrzeugen und konventioneller Ladung

 

21. Dezember 2016

 

Trotz anhaltend schwieriger weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen rechnen die bremischen Häfen für 2016 mit einem stabilen Ergebnis: An den Terminals in Bremen und Bremerhaven wird ein Seegüterumschlag von insgesamt 73,8 Millionen Tonnen erwartet (2015: 73,4 Millionen Tonnen). "Das Plus liegt laut Schätzung bei 0,5 Prozent. Damit entwickeln sich unsere Zwillingshäfen auch in diesem Jahr vergleichsweise gut", sagte Bremens Hafensenator Martin Günthner am Mittwoch (21. Dezember 2016) vor der Presse in Bremen. Er machte deutlich, "dass Bremen weiterhin zielgerichtet in den Ausbau der Hafen-Infrastruktur investieren wird, um seine Chancen als internationales Zentrum der maritimen Logistik konsequent zu nutzen".

 

Ein Blick auf den Gesamtumschlag zeigt unterschiedliche Entwicklungen in Bremen und Bremerhaven. Während der Umschlag der Hafenanlagen in Bremen-Stadt mit 12,3 Millionen Tonnen hinter dem Ergebnis des Vorjahres zurückbleibt (minus 3,5 Prozent), legt er in Bremerhaven auf 61,5 Millionen Tonnen zu (plus 1,4 Prozent). "Mit dem leichten Anstieg des Gesamtumschlags behaupten sich die bremischen Häfen auf hohem Niveau", sagte Günthner.

 

Der Einfluss der ökonomischen Probleme in vielen Teilen der Welt sei allerdings unverkennbar, ergänzte der Senator. So verzeichnet das konventionelle – also nicht in Containern gestaute – Stückgut einen Rückgang auf 7,2 Millionen Tonnen. Dies ist unter anderem auf eine geringere Dynamik im Projektgeschäft zurückzuführen. Hier wirkten sich schwache Märkte in Nordafrika und dem östlichen Mittelmeer ebenso aus wie der niedrige Ölpreis.

 

Demgegenüber wird im Hauptgeschäft der bremischen Häfen, dem fast ausschließlich auf Bremerhaven konzentrierten Containerumschlag, im zu Ende gehenden Jahr ein Zuwachs auf 56,8 Millionen Tonnen erwartet (plus 3,1 Prozent). Auf Basis von Standardcontainern (TEU) liegt der erwartete Umschlag bei 5,5 Mio. TEU (plus 0,9 Prozent).

 

"Der moderate Zuwachs ist erfreulich, weil das Containergeschäft insgesamt unter der schwächeren Weltkonjunktur leidet", sagte Günthner. Der derzeit stagnierende Containertransport wirke sich auf zahlreiche Häfen aus. Eine der Ursachen sei das reduzierte Wirtschaftswachstum in China. Die Verkehre mit der Volksrepublik bilden nach den USA-Verkehren die zweitwichtigste Relation für Bremerhaven. Gleichzeitig, so Günthner, belasteten die politisch bedingten Einschränkungen im Handel mit Russland und die damit verbundene russische Rezession den Seegüterumschlag weiterhin.

 

Wie der Senator hervorhob, unterliegt die Containerlinienschifffahrt derzeit massiven strukturellen Veränderungen. Die Insolvenz der südkoreanischen Reederei Hanjin und der Verkauf von Hamburg Süd an den dänischen Weltmarktführer Maersk seien jüngste Belege für einen tiefgreifenden Umbruch. "Gleichzeitig verstärken die wachsenden Containerschiffsgrößen den Druck auf die Häfen, ihre nautische Erreichbarkeit zu optimieren", sagte Günthner. Die Vertiefung der Außenweser-Fahrrinne habe deshalb größte Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung des viertgrößten europäischen Containerhafens.

 

Günthner ließ gleichzeitig keinen Zweifel daran, dass er im Wettbewerb um Ladung und Linien nach wie vor gute Chancen für die bremischen Häfen sieht. Bremen müsse auch weiterhin konsequent in die Modernisierung der maritimen Infrastruktur investieren. "Das", so der Senator, "gilt zunächst für die Erweiterung der Hafenbahnanlagen in Bremerhaven. Derzeit wird der Hafenbahnhof Imsumer Deich von acht auf 16 zuglange Parallelgleise erweitert und elektrifiziert. Direkt neben dem Container-Terminal setzen wir ein Ausbau- und Modernisierungsprogramm fort, das für die Hafenbahn im Überseehafen Bremerhaven in diesem Jahrzehnt Investitionen von etwa 40 Millionen Euro umfasst. Schon heute wird bei uns jeder zweite Hinterland-Container auf der Schiene transportiert. Die zusätzlichen Gleise werden die Bedingungen für einen reibungslosen Transport im Hafen weiter verbessern und Kapazitäten für deutlich mehr Güterzüge schaffen."

 

Als zweites Projekt nannte Günthner die Sanierung der maroden, noch aus der Kaiserzeit (1907/1908) stammenden Westkaje im Bremerhavener Kaiserhafen III. "Hier steht noch die Notifizierung durch die EU-Kommission aus, die wir im kommenden Jahr erwarten", sagte der Senator. "Anschließend können die Arbeiten beginnen."

 

Die Kaje soll auf einer Länge von etwa 500 Metern neu gebaut werden. Die Bauzeit ist auf etwa 18 Monate veranschlagt. Günthner: "Mit der Sanierung der Kaje runden wir ein Hafenareal ab, das mit der neuen Kaiserschleuse und der Vergrößerung des Wendebeckens bereits erheblich aufgewertet wurde. Durch den Kajenbau wird der Kaiserhafen III um neun Meter verbreitert – das verbessert die Bedingungen für die Schifffahrt weiter."

 

Für die kommenden Jahre sei zudem absehbar, dass mit der Erneuerung der Columbuskaje und der Planung einer neuen Drehbrücke weitere große Bauprojekte vorbereitet und umgesetzt werden müssen. "Dies muss bei der Haushaltsaufstellung in der Investitionsplanung ausreichend berücksichtigt werden", so Günthner.

 

Weitere Details zur jüngsten Entwicklung im Seegüterumschlag

Beim Umschlag von Massengut sagt der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen für 2016 ein Plus von 7,1 Prozent voraus. In diesem Bereich wird ein Umschlag von rund 10 Millionen Tonnen erwartet.

 

Positiv sticht am Standort Bremen der deutliche Zuwachs im Umschlag von Windkraftkomponenten hervor. 2016 hatte sich ein führender Hersteller entschieden, seine Logistik in der Hansestadt zu bündeln. Bremen hatte diese Entwicklung durch Neuregelungen beim landseitigen Transport der Komponenten flankiert. So wird im Rahmen einer Sonderregelung auf die polizeiliche Begleitung von Großraum- und Schwertransporten zwischen dem Hafengebiet und der Autobahn verzichtet bzw. diese Aufgaben werden von anerkannten und zertifizierten Dienstleistern wahrgenommen.

 

Der fast ausschließlich auf Bremerhaven konzentrierte Umschlag von Fahrzeugen wird sich im Jahr 2016 bei etwa zwei Millionen Einheiten einpendeln. Damit bleibt Deutschlands führende Drehscheibe für Fahrzeug-Importe und -Exporte unter Vorjahresniveau. "Aber gerade der Fahrzeugumschlag und die damit verbundenen logistischen Dienstleistungen können nicht nur nach schwankenden Umschlagszahlen bewertet werden", sagte der Senator. "Denn der Autoumschlag ist äußerst arbeitsintensiv und sorgt deshalb auch in schwächeren Jahren für eine Belebung der regionalen Wirtschaft."

 

Ausgesprochen positiv entwickelt sich der Kreuzfahrtstandort Bremerhaven. Die Zahl der Schiffsabfertigungen ist 2016 auf 68 gestiegen (plus 11,5 Prozent). Gleichzeitig wurden deutlich mehr Passagiere abgefertigt (96.500, plus 46,2 Prozent). Der moderne Kreuzfahrt-Terminal konnte seine Wettbewerbssituation verbessern. Erwartet wird, dass sich dieser positive Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird.

 

Die Besatzungen – nicht nur die der Kreuzfahrtschiffe – finden in Bremerhaven übrigens beste Bedingungen vor, wenn sie ihre knappe Freizeit im Hafen sinnvoll nutzen wollen. Der Senator erinnerte daran, dass Bremerhaven 2016 zum "Hafen des Jahres" gewählt wurde – und zwar von Seeleuten aus aller Welt, die sich an der Wesermündung besonders gut betreut fühlen. Die Auszeichnung durch das International Seafarers Welfare Assisance Network (ISWAN) gehörte für Günthner zu den Höhepunkten des Hafenjahres. "Seemannsmission, Terminalbetreiber und bremenports kümmern sich intensiv um die Seeleute. Der Seemannsclub `Welcome` im Überseehafen ist zu einer beliebten Anlaufstelle geworden – eine gute Stube für die Besatzungen, ohne die der Erfolg des Hafens nicht denkbar wäre."

Hersg.: DER SENATOR FÜR WIRTSCHAFT, ARBEIT UND HÄFEN